... und der rote Büffel

... und der rote Büffel Neu

Nico Steckelberg   14. März 2026  
... und der rote Büffel

Rückentext

Der rote Büffel ist in Gefahr! Um das wertvolle Kunstwerk zu retten, wenden sich die drei ??? An ihren größten Widersacher – Victor Hugenay. Die Zeit drängt, denn Justus, Peter und Bob sind nicht die Einzigen, die das Gemälde suchen. Ohne die Hilfe des Meisterdiebs, ist das Versteck des Bildes nicht aufzuspüren. Können die Detektive ihm vertrauen? Zwar sitzt er hinter Gittern, doch Hugenay ist zu allem fähig. Ist er wirklich so hilfsbereit, wie er sich gibt oder tappen die drei ??? in eine Falle?

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
9,0
Atmosphäre 
 
9,0
Sprecher 
 
10,0
Soundtrack 
 
8,0
Aufmachung 
 
9,0
Gesamtwertung 
 
9,0

Folge 237 bringt eine Figur zurück, deren bloße Erwähnung bei langjährigen Hörerinnen und Hörern bereits ein wissendes Lächeln auslöst: Victor Hugenay. Autor André Marx versteht es erneut, das Katz-und-Maus-Spiel zwischen ihm und Justus so zu inszenieren, dass man als Zuhörer ständig das Gefühl hat, einem Schachduell auf höchstem Niveau beizuwohnen. Kaum glaubt man, einen Zug durchschaut zu haben, wird das Brett neu sortiert.

Schon die erste Begegnung zwischen Justus und dem inhaftierten Meisterdieb entwickelt eine Spannung, die unweigerlich an das berühmte Gespräch zwischen Hannibal Lecter und Clarice Starling in Das Schweigen der Lämmer erinnert. Natürlich bleibt „Der rote Büffel“ familienfreundlich und weit entfernt von düsteren Abgründen – doch dieses Knistern, dieses gegenseitige Belauern, ist deutlich spürbar. Justus weiß, dass Hugenay ein Spiel spielt. Nur die Regeln kennt eben nur einer von beiden ganz genau.

Dabei gelingt Marx etwas, das bei einer langlebigen Serie nicht selbstverständlich ist: Jede noch so kleine Ungereimtheit wird im Verlauf sauber aufgedröselt. Wo bei anderen Fällen gelegentlich eine erzählerische Abkürzung stehenbleibt, wird hier nachjustiert, erklärt und logisch eingebettet – und das, ohne konstruiert zu wirken. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass jedes Detail bewusst gesetzt wurde. Das sorgt für ein dichtes Hörerlebnis, das auch beim zweiten Durchgang noch Freude bereitet.

Inszenatorisch liefert die Produktion unter der Regie von Heikedine Körting gewohnt präzise Arbeit. Die Musik von Jan-Friedrich Conrad, Betty George, Nathaniel Steinbrecher und Co. setzt Akzente, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Gerade in den ruhigeren Momenten entsteht eine fast greifbare Anspannung, die den Puls dezent beschleunigt.Und tatsächlich gibt es eine Szene in einem überschwemmten Haus, die akustisch an das Erdbeben aus “Das Narbengesicht” erinnert. Dieselbe Spannung, dieselbe Ernsthaftigkeit, dieselbe gespürte Gefahr. Toll gemacht!

Sprecherisch ist das Niveau ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Oliver Rohrbeck (Justus Jonas) und Tobias Meister (Hugenay) schenken sich nichts – man hört förmlich das gedankliche Kräftemessen. Axel Milberg führt mit ruhiger Autorität durch die Handlung, während Holger Mahlich als Cotta jene Mischung aus Strenge und Verlässlichkeit verkörpert, die man seit Jahrzehnten kennt. Eine kleine Besonderheit stellt Rubbish George dar: Die Figur wirkt fast ein wenig romantisiert für einen Obdachlosen, fügt sich aber dennoch organisch ins Serienuniversum ein und bringt eine eigene, leicht comichafte Note mit.
Bemerkenswert ist auch das Tempo. Die Geschichte entwickelt sich wie ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem mal Justus, mal Hugenay die Nase vorn zu haben scheint. Wendungen ergeben sich aus den Figuren heraus und nicht bloß aus dramaturgischer Notwendigkeit. Gerade das macht den Reiz dieser Episode aus: Man fühlt sich ernst genommen – als Hörer ebenso wie als Kenner der Reihe.

„Der rote Büffel“ ist damit nicht nur die Rückkehr eines alten Bekannten, sondern ein Beweis dafür, wie lebendig die Serie auch nach über zweihundert Folgen noch sein kann. André Marx zeigt, dass er die Mechanik der drei Fragezeichen bis ins Detail beherrscht und dennoch neue Impulse setzt. Eine klare Empfehlung für alle, die raffinierte Duelle und durchdachte Dramaturgie schätzen.

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