... und die singende Schlange (Neufassung)

... und die singende Schlange (Neufassung) Neu

Nico Steckelberg   14. März 2026  
... und die singende Schlange (Neufassung)

Rückentext

Zugegeben, Mrs Patricia Osborne ist eine etwas seltsame Dame. Ihrer Nichte Allie geht sie damit auf die Nerven, dass sie behauptet, Spinnweben seien hervorragende Heilkräuter. Sie erzählt Allie, dass sie abends vor dem Schlafengehen mit einem Messer einen Kreis um ihr Bett zieht, um sich vor drohendem Unheil zu schützen. Außerdem lädt sie nachts zu geheimnisvollen Zusammenkünften ein. Allie bittet deshalb die drei ??? diesen Rätseln auf den Grund zu gehen. Unsere Detektive schleichen sich bei Mrs Osborne ein und beobachten schauerliche Dinge. Was sie wohl gesehen haben?

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
9,0
Atmosphäre 
 
9,0
Sprecher 
 
8,0
Soundtrack 
 
7,0
Aufmachung 
 
9,0
Gesamtwertung 
 
8,4

Wenn ein Klassiker der frühen Serie neu produziert wird, sorgt das automatisch für gespitzte Ohren – vor allem dann, wenn es sich um „Die singende Schlange“ handelt. Die ursprüngliche Hörspielfassung von 1981 gehört zu den EUROPA-Folgen, die man heute fast schon als akustische Zeitkapsel bezeichnen kann. Ein Grund dafür ist der unverwechselbare Soundtrack von Carsten Bohn, dessen Mischung aus treibenden Rhythmen und leicht psychedelischem Krautrock dem Fall eine ganz eigene Aura verlieh.

Die Neufassung verfolgt einen anderen Ansatz. Sie orientiert sich deutlich stärker an der Romanvorlage von M. V. Carey und nutzt die verlängerte Spielzeit von rund 90 Minuten, um Handlungsteile einzubauen, die im ursprünglichen Hörspiel aus Zeitgründen fehlen mussten – damals waren LP-Produktionen auf etwa 50 Minuten begrenzt. Dadurch wirkt die Geschichte stringenter und einige Motivationen der Figuren werden klarer. Gerade die Ereignisse rund um den geheimnisvollen „Zwölferkreis“ gewinnen an Spannung, weil sich die Szene länger entfalten darf.

Musikalisch bemüht sich die Produktion hörbar um eine dichte Atmosphäre. Die neue Musik schlägt eher eine Richtung ein, die an klassische Horrorfilme erinnert: flächige Klänge, unterschwellige Spannung, eine atmosphärische Piano-Melodie als wiederkehrendes Element. Das passt durchaus zum okkult angehauchten Setting der Geschichte – und dennoch wird man als langjähriger Fan das Gefühl nicht los, dass der eigenwillige Bohn-Sound mit seinem progressiven Charme ein Stück Serien-DNA darstellt, das sich nur schwer ersetzen lässt.

Auch die Stimmen zeigen, dass zwischen Original und Neuaufnahme über vier Jahrzehnte liegen. Die drei Hauptsprecher liefern gewohnt routinierte Leistungen ab. Besonders auffällig ist jedoch der Altersunterschied bei einigen Figuren, allen voran bei Allie Jamison. Während die Figur im Hörspiel weiterhin als junges Mädchen angelegt ist, klingt Katrin Fröhlichs Stimme naturgemäß reifer. Das fällt auf, stört aber weniger, als man zunächst vermuten könnte. Mehrere Sprecher der damaligen Fassung sind inzwischen verstorben, weshalb ihre Figuren neu besetzt werden mussten. Dadurch entstehen interessante Verschiebungen im Ensemble: Rüdiger Schulzki etwa sprach im Original den geheimnisvollen Asmodi, während er in der Neufassung nun Onkel Titus verkörpert. Die Rolle des Asmodi musste deshalb neu vergeben werden und wird hier von Hanns-Jörg Krumpholz übernommen. Auch andere Figuren erhielten neue Stimmen, während einzelne Originalsprecher weiterhin dabei sind und so eine akustische Brücke zwischen beiden Versionen schlagen. Gerade dieser Mix aus vertrauten Stimmen und neuen Interpretationen macht deutlich, wie viel Zeit seit der ersten Produktion vergangen ist. Toll macht das vor allem Douglas Welbat in seiner Rolle als Bentley bzw. Prof. Barrister.

Axel Milberg als Erzähler tritt vermutlich das größte Erbe dieser Neuauflage an: Peter Pasetti prägte die Serie über Jahre hinweg mit unverwechselbarer Autorität. Milberg versucht gar nicht erst, diese Klangfarbe zu imitieren – stattdessen setzt er auf eine ruhigere, fast literarische Erzählweise, die erstaunlich gut zum neu ausgebauten Storyfluss passt.

Und dann ist da natürlich das Thema, über das man sprechen muss: die Schlange selbst. In der Originalfassung gehört ihr unheimlicher Gesang zu den legendären Soundmomenten der Serie – ähnlich ikonisch wie die schreienden Uhren im „seltsamen Wecker“ oder das schaurige Gelächter im „Lachenden Schatten“. In der Neufassung entscheidet man sich für eine deutlich realistischere Umsetzung. Objektiv betrachtet wirkt das weniger skurril und wahrscheinlich auch weniger unfreiwillig komisch. Für das nostalgische Publikum hat diese Änderung allerdings eine Nebenwirkung: Der Fall verliert ein Stück seines kultigen Rückgrats. Gerade dieser eigenwillige Klang war für viele Kassettenkinder ein prägendes Element der Folge.

Dass der Schlussdialog (offenbar in der Originalfassung) leicht verändert wurde, fällt daneben kaum noch ins Gewicht. Unterm Strich bleibt eine aufwendig produzierte Neuinterpretation eines Klassikers, die inhaltlich näher an der Vorlage arbeitet und atmosphärisch vieles richtig macht – auch wenn einige ikonische Eigenheiten des Originals damit zwangsläufig auf der Strecke bleiben.

Die Neufassung der „singenden Schlange“ entstand ursprünglich als sogenannte Planetariumsfolge. Diese speziell produzierten Hörspiele wurden in mehreren deutschen Planetarien mit passender Kuppelprojektion aufgeführt, etwa im Planetarium Hamburg, und verbinden die Hörspielhandlung mit einer visuellen Inszenierung am Sternenhimmel der Projektionskuppel. 

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