Ark           Hot

Nico Steckelberg   24. Mai 2010  
Ark

Musik

Interpret/Band
Veröffentlichungs- Datum
07. Juni 2010
Format
CD
Anzahl Medien
1

Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
10,0

Es ist schon ein kleines Wunder. 11 Jahre ist es nun her, dass Brendan Perry – seines Zeichens Multiinstrumentalist und Begründer der legendären Ethno-Wave-Formation „Dead Can Dance“ – sein erstes Soloalbum veröffentlichte. Während dieses erste Solo-Album mit dem Titel „Eye of the Hunter“ recht positiv gestimmt war und hauptsächlich auf dem Einsatz der Akustikgitarre basierte, besinnt sich Brendan Perry im Jahr 2010 seiner musikalischen Wurzeln, die er mit Dead Can Dance zuletzt ausgelebt hatte.

„Ark“, das neue Perry-Album, ist voll-elektronisch. Alle gehörten Klänge sind gänzlich aus dem Sampler entnommen. Das war dem Künstler enorm wichtig, um hierdurch die Kälte und Distanz der modernen Welt zu symbolisieren. Und so ist es kaum verwunderlich, dass man als Hörer unweigerlich in einer emotionalen Zwischenwelt landet. Man hört und fühlt sich wie zu der Blütezeit von Dead Can Dance: Die Melodien sind düster-melancholisch, die Lyrics sind gut durchdacht und philosophisch, politisch oder gesellschaftskritisch, die Gesangsspuren sind Weltklasse und die Stimme fährt direkt unter die Haut und in die Blutbahn, um alle kleinen Härchen auf der Haut aufzustellen. Aber dazu kommt diese elektronische Ambience-Note, die völlig neu ist. Perry goes TripHop, könnte man fast sagen. Der Avant-Garde-Anteil ist nicht zu unterschätzen.

Hier erinnert vieles an die Vergangenheit ohne sie zu kopieren – auf eine so schöne und belebende Weise, wie es niemand anderes hinbekommen hätte. Alleine für den Song „Wintersun“ gehört dem Mann ein Denkmal gesetzt! Mit „Inferno“ setzt er selbst ein schauderhaftes Denkmal – nämlich der Generation TV.

Der einzige kleine Wermutstropfen ist die Tatsache, dass Brendan Perry sein bereits einige Jahre altes Stück „Lies“ umgeschrieben hat zu dem Lied „This Boy“. „Lies“ war – in der bluesigen Ursprungsinstrumentierung – einer der besten Songs, die ich von Perry kannte. „This Boy“ ist – gerade in Bezug auf die Gesangsspur – nicht annähernd so perfekt. Aber dies sei auf keinen Fall als Hinderungsgrund für den Kauf zu deuten. Dieses zweite Solowerk von Brendan Perry ist schlichtweg ein Muss für jeden Plattensammler, der Wert auf das Besondere legt.

„Ark“ ist jetzt schon das Album des Jahres. Viel kann da nicht mehr kommen.

Anspieltipps: „Wintersun“, „Utopia“, „The Bogus Man“. Über die hervorragende Atmosphäre des Albums kann sich jeder selbst überzeugen auf Perrys Website. Dort gibt es eine Art „Making of“ mit vielen Songausschnitten. Außerdem gibt es derzeit „Utopia“ zum kostenfreien Download.

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