Serpentinen Hot

Ecke Buck   10. Oktober 2020  
Serpentinen

Hörbuch

Autor(en) oder Hrsg.
Erscheinungsjahr
Format
CD
Anzahl Medien
5

Rückentext

Eine große Geschichte über Verzweiflung und Angst, aber auch über Liebe, Verantwortung und Hoffnung
 
Ein Vater unterwegs mit seinem Sohn. Ihre Reise führt zurück in das Hügelland, aus dem der Vater stammt, zu den Schauplätzen seiner Kindheit. Da ist das Geburtshaus, dort die elterliche Hochzeitskirche, hier der Friedhof, auf dem der Freund Frieder begraben liegt. Ständiger Reisebegleiter ist das Schicksal der männlichen Vorfahren, die sich allesamt das Leben nahmen. Der Vater muss erkennen, dass sein Wegzug, seine Bildung und sein Aufstieg keine Erlösung gebracht haben. Vielleicht helfen die Rückkehr und das erinnern. Warum hat er keine Antwort auf die bange Frage des Sohnes: „Um was geht es?“ er weiß nur: Wer zurückfährt, muss alle Kurven noch einmal nehmen. Wenn er der dunklen Tradition ein Ende setzen will.
 
Mit viel Sprachgefühlt und Einfühlungsvermögen liest Schauspieler Robert Stadlober die mutige Geschichte über den Kampf eines Vaters gegen die Dämonen der Vergangenheit.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
6,0
Atmosphäre 
 
7,0
Sprecher 
 
8,0
Aufmachung 
 
8,0
Gesamtwertung 
 
7,3

Die von Robert Stadlober stimmlich gut ausgefangene Handlung dieses Hörbuchs macht es dem Hörer trotz guten Vortrags nicht einfach. Die im Rückentext vom Sohn gestellte Frage „Um was geht es?“ stellt man sich als Hörer auch. 
Mit vielfältigen Zeitsprüngen, Rückblicken, beschreibenden Sequenzen zwischen Erlebnis, Erinnerung oder aktuellem Gedankengang, werden viele Dinge aneinandergereiht, die zunächst nicht wirklich schlüssig scheinen. Erst mit der Zeit wird deutlich und auch ausgesprochen, dass Depressionen den Vater quälen, der mit seinem Sohn an seine eigenen Ursprünge zurückkehrt und denkt. Durchweg von Melancholie und zwiespältiger Gefühlswelt geprägt, betrachtet der Vater seine Welt aus Vergangenheit und Gegenwart. Ob es eine Zukunft geben wird, scheint ihm selbst unklar.
 
Die Erzählweise, mit der Autor Bov Bjerg seinen Roman um den Soziologie-Professor darbietet, fordert dem Hörer eine ganze Menge ab. Nicht allein, dass der Erzähler eigenartige Darstellungsformen nutzt, so wird die Mutter des Sohnes nur M. benannt, andere Personen wie z.B. Vera werden hingegen direkt benannt. Auch die Sprunghaftigkeit der wechselnden Rückblicke haben keinerlei Struktur, wie es scheint.
Es gibt für den Vater viel zu verarbeiten, Selbstmord der männlichen Vorfahren, Nazi-Vergangenheit des eigenen Vaters und auch der Blick auf die eigene Entwicklung.
 
Serpentinen, dieser Titel scheint einerseits gut gewählt, denn dieses Hörbuch hat immer wieder Wendungen in andere Richtungen. Bezogen auf eine Straße bedeutet dies allerdings, dass der Weg  weiter auf ein Ziel zusteuert. Dies ist bei den Sprüngen im Roman hingegen nicht klar ersichtlich. 
Ein einerseits interessantes gut vorgetragenes Hörbuch, andererseits aber auch nicht wirklich fesselnd und schlüssig.
 
Hätte ich das Buch vor mir gehabt, hätte ich es sicherlich nach geraumer Zeit zur Seite gelegt. Nur Robert Stadlober hat dazu beigetragen, dass ich bis zum Ende durchgehalten habe.
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