AUDIONYM: 'Keine Kompromisse' - Hörspiel-Pantalogie 'Sacred 2' abgeschlossen

AUDIONYM: 'Keine Kompromisse' - Hörspiel-Pantalogie 'Sacred 2' abgeschlossen Hot

Michael Brinkschulte   18. März 2010  
AUDIONYM: 'Keine Kompromisse' - Hörspiel-Pantalogie 'Sacred 2' abgeschlossen

Interview

Einleitung
Nach einer etwas längeren Pause zwischen Teil 4 und 5 ist die Pentalogie zum Spiel Sacred 2 nun abgeschlossen. Alle Teile sind erschienen und beim Publikum freudig und begeistert augenommen worden. Wir hatten die Chance vom Produktionsteam Audionym einige Fragen beantwortet zu bekommen:

Das Interview

Hörspiegel:
Es ist also vollbracht, die Hörspiel Pantalogie zum Spiel „Sacred 2“ ist beendet. Nach der vierten Folge die am 30.4.2009 erschienen ist, sind viele Monate ins Land gezogen, bis nun, so werden es die Fans ausdrücken, „endlich“ Folge 5 erschienen ist. Wie kam es zu dieser langen Pause? Die vorherigen Folgen kamen ja in deutlich schnellerer Abfolge zur Veröffentlichung.

Udo Baumhögger (UB):
Das hing damit zusammen, dass die Markenrechte für Sacred von Deep Silver übernommen wurden und so die ganze Situation für weirdoz, etwas komplizierter wurde. Martin Ruiz arbeitet zum Glück seit langem sehr gut mit Koch Media zusammen und so konnte es gelingen, dass die fünfte Folge nur (!) ein halbes Jahr später veröffentlicht wurde.

Hörspiegel:
Die Serie „Sacred – Der Schattenkrieger“ endet in Folge 5 „Die Erlösung“ so, dass es scheint, dass eine Fortsetzung doch möglich wäre. Wie sieht es diesbezüglich aus?

Patricia Nigiani (PN):
Diese Entscheidung liegt leider nicht in unseren Händen. Das hängt ganz davon ab, ob weirdoz, beschließt, eine weitere Staffel bei uns in Auftrag zu geben. Zudem hätte auch der Lizenzgeber, noch ein Wörtchen mit zu reden. Wir für unseren Anteil hätten durchaus Ideen, wie wir die Geschichte weiterspinnen wollen würden.

Hörspiegel:
Bei Produktionen, die auf einen klaren Rahmen ausgerichtet sind, hier fünf Folgen, wird mal alles an einem Stück aufgenommen und später geschnitten, mal Folge für Folge produziert. Wie hat sich die Produktion von Sacred gestaltet?

PN:
Wir haben tatsächlich alle fünf Folgen am Stück aufgenommen, um einen guten Flow und eine kontinuierliche Entwicklung der Charaktere zu erzielen. Parallel fing Udo bereits damit an, die Soundeffekte zu bauen. Anschließend wurden die einzelnen Folgen von ihm ausproduziert, d.h. mit Atmosphäre, SFX und Musik unterlegt.

Hörspiegel:
Bei einigen Hörspielen bekommen sich die Sprecher nicht zu Gesicht, da jede Stimme und Rolle separat eingespielt wird. Andere Produktionen setzen auf den direkten Dialog der Sprecher. Welches Vorgehen wurde bei Sacred gewählt?


PN:
Wir haben zum Großteil ge-xt, also die Sprecher einzeln aufgenommen. Das hatte zweierlei Gründe, zum Einen wäre es ein erhebliches logistisches Problem geworden die ca. 150 Sprecher, die in den fünf Folgen an unterschiedlichen Stellen aufeinander trafen, terminlich unter einem Hut zu bekommen. Zum Anderen, und dieser Grund war für uns ausschlaggebend, erzielt man ein ganz anderes Ergebnis, wenn man die Sprecher einzeln aufnimmt, da man sich viel besser auf das Individuum konzentrieren und intensiver miteinander arbeiten kann. Wenn man zwei oder mehr Sprecher gemeinsam in der Kabine hat, entwickelt sich da eine ganz eigene Dynamik, die nicht unbedingt in die Richtung führt, die man sich wünscht.

UB:
Das ist ja schon fast eine philosophische Frage. Bei Sacred hielten wir es für besser, alle Charaktere einzeln aufzunehmen. Das liegt einfach daran, dass mehrere Schauspieler, die zusammen spielen, immer eine Eigendynamik entwickeln. Bei Sacred hatten wir im Vorfeld schon sehr klar definierte Charaktere und deutliche Stereotypen. So eine Eigendynamik kann da schnell nach hinten los gehen. So hat man dann kleine Gruppen von Charakteren, die losgelöst von anderen Charaktergruppen agieren und die Geschichte eigenständig interpretieren. Bei 150 Rollen fällt die Geschichte dann schnell auseinander.

Hörspiegel:
Betreffs der Sprecher wurde eine hervorragende Auswahl getroffen. Wie hat sich die Sprecherauswahl bzw. Rollenverteilung abgespielt? Gab es ein „Casting“ für die Rollen?

PN:
Das war unterschiedlich. Bei einigen Rollen hatten wir bestimmte Sprecher bereits im Vorfeld im Kopf, bei anderen habe wir unsere Sprecherbank bemüht und die uns zugeschickten Demos durchgehört und bei anderen haben wir tatsächlich ein Casting gemacht.

Hörspiegel:
Hattet Ihr spezielle Wünsche bezüglich der Sprecher, die sich nicht erfüllen ließen?

PN:
Nein, wir hatten tatsächlich das Glück, dass wir alle unsere Wunschkandidaten vors Mikrophon bekamen!

Hörspiegel:
In den Booklets der einzelnen Folgen kann ich erkennen, dass Ihr selbst auch immer mal wieder in kleinen Rollen mitgesprochen habt. Was macht für Euch die Position vor dem Mikrophon aus?

UB:
Wir betrachten uns beide nicht als großartige Sprecher, aber um hin und wieder mal ein Stichwort zu geben oder etwas Atmosphäre zu erzeugen, reicht es. Unser eigener Einsatz als Schauspieler ist aber in der Regel nicht geplant. Meistens ist es so, dass wir im Nachhinein noch Kleinigkeiten in die Geschichte einfügen oder Dinge ändern. Unsere Schauspielerischen Defizite kompensieren wir dadurch, dass wir uns in der Geschichte, der Situation und der gewünschten Stimmung bestens auskennen. Nach unzähligen Takes und Versuchen kommt dann irgendwann mal etwas Brauchbares dabei rum.

Hörspiegel:
Blind Guardian haben mit dem Titelsong „Sacred“ Musikalisches beigesteuert. Kam es zum Kontakt mit der Band, deren Bezug zur Fantasy die Verknüpfung von Hörspiel und Musik als logische Konsequenz erscheinen lässt, oder war die Musik durch das Spiel vorgegeben?

UB:
Der Titelsong ist tatsächlich exklusiv für das Hörspiel produziert worden. Der Kontakt und die Idee kamen dadurch zu Stande, dass die Herren ja auch im Computerspiel einen Auftritt haben (sie geben ein Konzert). Wir haben dann gefragt, ob Sie nicht Lust haben, auch beim Hörspiel dabei zu sein. Die Folge war ein sehr lustiger Tag mit zwei Kamerateams und diversen Journalisten im Düsseldorfer Translocacell Studio. Einige Eindrücke kann man sich auf der DVD-Version von Teil 1 machen.

Hörspiegel:
Alle Folgen weisen eine umfangreiche Gestaltung und ein mehrseitiges Booklet auf. Wie wichtig war es den Hörern ein Glossar, sowie bei jeder Folge einen Rückblick auf bisherige Ereignisse an die Hand zu geben?

PN:
Wir wollten dem Käufer mit dem Hörspiel und dem Booklet etwas in die Hand legen, das einem guten Fantasy Epos gleicht. Bei der Vielzahl an Figuren fanden wir, wäre ein Dramatis Personae hilfreich und auch interessanter als nur eine simple Auflistung der Sprecher. Das Glossar sollte den Hörern , die nicht mit den Termini der „Sacred“ Welt vertraut waren, den Zugang erleichtern, und obwohl diese Ausdrücke in den Hörspielen selbst erklärt werden, sollte das Glossar als Nachschlagewerk dienen konnte. Da die einzelnen Folgen mit mehreren Monaten Abstand veröffentlicht wurden, sollten die Rückblicke, falls notwendig, zum Auffrischen des Gedächtnisses dienen. Zu guter Letzt wollten wir einfach ein Booklet machen, das Inhalte bietet und ein wenig zum Stöbern einlädt.

Hörspiegel:
Sacred ist nun beendet, wie geht es Euch nachdem Euer „Kind“ nun flügge geworden ist und das Haus verlassen hat?

PN:
Es geht uns wahrscheinlich wie allen „Eltern“. Wir sind stolz darauf, was aus unserem Kind geworden ist und sind gleichzeitig nervös, dass es ihm da draußen auch gut geht.  Aber da die Serie nun mit sechs Hörspiel-Awards ausgestattet worden ist, machen wir uns keine großen Sorgen.

UB:
Die Vorgabe von weirdoz, war es, keine Kompromisse zu machen und maximale Qualität herzustellen. Und das ist genau das, wovon man als Hörspielproduzent immer träumt. Das Feedback von Fans und Presse war überwältigend. Für mich war das von A bis Z ein sehr gelungenes Projekt.

Hörspiegel:
Welches Projekt wird Sacred folgen? Gibt es bereits Pläne?

PN:
Es gibt zwar Pläne, aber so lange nicht alles unter Dach und Fach ist, was die Lizenzverhandlungen anbelangt, dürfen wir leider noch nicht darüber sprechen.

Hörspiegel:
Wenn Ihr frei wählen könntet, das Budget keine Rolle spielen würde und Ihr alle Mittel und Stimmen einsetzen dürftet, Ihr bei der Auswahl des Stoffes freie Hand hättet, welches Hörspielprojekt würdet Ihr in Angriff nehmen?

UB:
Sacred würden wir natürlich gerne fortsetzen. Es gibt aber auch noch viele andere große Themen, die uns sehr reizen würden.

Hörspiegel:
Die erste Veröffentlichung von Weirdoz war „hand of god – Legend – Die Chroniken von Aris 1“. Die 1 im Titel ließ beim 2007 produzierten Werk erwarten, dass es weiter gehen würde. War dieses Hörspiel ein Einzelstück oder ist das Projekt aus anderen Gründen nicht fortgesetzt worden?

PN:
Soweit wir wissen, hat der Lizenzgeber gewechselt, daher stagnieren die Verhandlungen zur Fortsetzung. Wir hatten „Legend“ als Trilogie angelegt und die Story steht auch soweit in unseren Köpfen. Wie bzw. ob und wann es weitergeht, wird aber wohl am Verhandlungstisch entschieden werden und da haben wir als die kreative Einheit kein Stimmrecht.

Hörspiegel:
Möchtet Ihr den Hörspiegel-Lesern zum Abschluss noch etwas mitteilen?

PN:
Vielen Dank an alle, die sich die von uns produzierten Hörspiele gekauft haben! Damit unterstützt Ihr uns direkt und sorgt dafür, dass wir Euch auch in Zukunft mit weiteren Hörspielen erfreuen können. Dasselbe gilt im Übrigen allen, die Hörspiele kaufen, sie fördern damit die Schaffung künftiger Hörspiele. Danke Euch!

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