Immortals

Alina Jensch   03. Dezember 2021  
Immortals

Musik

Interpret/Band
Veröffentlichungs- Datum
29. Oktober 2021
Format
CD

Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
10,0

Ganz großes Kino im wahrsten Sinne des Wortes erwartet uns auf diesem zunächst vielleicht etwas unscheinbaren Kleinod von DANIELE MAZZA. Der Name des italienischen Komponisten und Musikers dürfte dem ein oder anderen Kenner der Symphonic Metal-Szene von ANCIENT BARDS bekannt sein – auf die Schreiberin dieser Zeilen trifft das hingegen nicht zu und so offenbart sich hier ein gänzlich unbeschriebenes Blatt.

Die Überraschung beginnt schon gleich damit, dass das Cover-Artwork eher eine Powermetal-Platte vermuten lässt und nicht etwa den bombastisch atmosphärischen Soundtrack zu einem hypothetischen Film. Mit „Immortals“ ist es nämlich so: Es gibt keinen Film, zu dem diese Musik geschrieben wurde, dafür erzählt das Album die Geschichte für das eigene Kopfkino. Ist das eigentlich noch Filmmusik? Genau genommen wohl nicht, jeder einzelne Song auf DANIELE MAZZAs epischem Filmscore-Debüt klingt aber unverkennbar überzeugend danach, und eben nicht nach Ambient, Klassik oder Lounge-Musik.
Vergleichbare filmlose Werke haben auch andere, namhafte Musiker schon hervorgebracht, natürlich im Angesicht der ganz großen „echten“ Filmkomponisten wie Hans Zimmer.

Was kann uns der sympathische Nachwuchskomponist mit „Immortals“ also bieten? An klassischen Komponenten ist alles mit dabei: bombastische Orchester, eindrucksvolle Chöre, traurige Klaviermelodien, abrupte Brüche, aufsteigende Trompeten und durch und durch imposante Klanglandschaften. Es ist allerdings der Spannungsbogen der herausragt. DANIELE MAZZA schreibt hier einen Filmscore bewusst in Albumform – kein Stück ist deutlich länger als fünf Minuten, auf unnötige Wiederholungen, Filler und allzu viele ruhige Momente wird verzichtet. Dieser Nicht-Film ist ein durchaus melancholisches, aber auch hoffnungsvolles Action-Epos, dessen Protagonisten kaum zum Durchatmen kommen. Die Titel und der dezente Einsatz japanischer Shakuhachi-Flöten suggerieren ein fernöstliches Setting, auch wenn mir eine Stelle in „Beyond The Horizon“ keinen anderen Filmklassiker als Jurassic Park vors geistige Auge holt.

Neben den erwähnten Choreinsätzen gibt es mit „Time to Go“ auch einen ergreifenden Song mit zentralem Gesang – gesungen von Sara Squadrani. Ein wahres Gänsehaut-Highlight des an sich schon emotionalen Albums.
Der Song scheint es dem Künstler besonders angetan zu haben, denn es finden sich außerdem eine instrumentale/orchestrale Version von „Time to Go“ auf dem regulären Album, sowie eine noch traurigere Klavierversion in den Bonustracks der physischen Veröffentlichung. Obwohl mir unterschiedliche Songversionen sonst missfallen, klingt hier keine der Interpretationen überflüssig.
Stichwort Klang: DANIELE MAZZA serviert hier ganz souverän eine Eigenproduktion und lässt keine Wünsche offen. Respekt.

Mir will sich auf diesem Album keine Schwäche offenbaren. Manch einer wird kritisieren, dass die Songs eben so kompakt und flott getaktet sind und damit nicht als Hintergrundmusik taugen. Aber genau darin liegt auch seine Stärke, denn das macht es kurzweilig und spannend, und differenziert das Werk von so manch einer Konkurrenz.

Abschließend: Der Albumtitel „Immortals“ ist hoffentlich wörtlich gemeint und der Auftakt zu etwas noch Größerem!
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