Anathema
"Hindsight"

© 2008 kscope music
Hörspiegel-Meinung (ste):
Es ist schön, mal wieder eine neue CD-Veröffentlichung von Anathema in den Händen zu halten, auch wenn die Lieder darauf nicht ganz neu sind. Ein halbes Jahrzehnt ist vergangen, seit „A Natural Disaster“ von Music for Nations veröffentlicht wurde. Nun kommt – neben einigen bisher in Eigenregie veröffentlichten MP3-Tracks im Internet – das erste Lebenszeichen seit dem letzten Studioalbum. Und der vollzogene Labelwechsel lässt erahnen / erhoffen, dass es künftig nicht mehr ganz so lange Durststrecken geben wird. Anathmas Album „Hindsight“erscheint („in association with Peaceville Records“) bei kscope music, einem Unterlabel von Snapper Music (u.a. Porcupine Tree, Blackfield, No-Man usw.).

„Hindsight“ ist ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Nein, diesmal ist nicht die Band gemeint, sondern die Songs. Anathema haben 9 Songs aus der Vergangenheit umarrangiert und zu einem semi-akustischen Album vereint. Das bedeutet, dass hier ausschließlich mit akustischen Gitarren und nicht-elektronischen Key-Sounds (meistens Klavier) gearbeitet wird. Einzige Ausnahme: Die Leadgitarre und die typischen Feedbacks klingen so herrlich wie eh und je. Einige leichte Soundeffekte (z.B. Wind) sorgen für weitere Atmosphäre. Schlagzeug und vor allem Cello spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Fast alle Anathema-Alben sind mit mindestens einem Lied vertreten, man darf sich z.B. auf „Angelica“ vom „Eternity“-Album freuen, „Fragile Dreams“ von „Alternative 4“ eröffnet nunmehr das Semiakustik-Album, „One Last Goodbye“ lässt uns an „Judgement“ erinnern, das zeitlose „Temporary Peace“ von „A Fine Day to Exit“ ist hervorragend umgesetzt ebenso wie das vollkommen unerwartet fröhlich arrangierte „Are you there?“ von „A Natural Disaster“. Ein wenig traurig finde ich, dass es keine Stücke oder zumindest Fragmente der harten Alben „Serenades“ und  „The Silent Enigma“ gibt. Auch hier hätte sich die eine oder andere Möglichkeit geboten, etwas akustisch unzuarangieren, ohne die damaligen Death-Metal-Gesänge. Zweifelsfrei um Längen schwieriger, aber ich hätte es sehr gern gehört.

Wollen wir aber nicht meckern, denn statt dessen bekommt der Hörer einen neuen, „previously unreleased“ Track zu hören: „Unchained (Tales Of The Unexpected)“. Der Song hat mich persönlich nicht so ganz vom Hocker gehauen. Da hat mir das im Vorfeld von Anathema selbst veröffentlichte „Everything“ um Längen besser gefallen. Was sich hierbei jedoch herausstellt, ist das brillante Cello-Spiel von Gastmusiker Dave Wesling, das das gesamte Album hindurch die Atmosphäre und Melancholie der Songs aufs Beste unterstützt.

„Hindsight“ ist komplett aufgenommen und produziert von Anathema selbst. Ein Album, das nicht nur Anathema-Fans in seinen Bann ziehen wird, sondern auch neue Publikumsebenen erreichen kann. Eine schöne Wiederbelebung und hoffentlich der Beginn einer neuen Ära. Denn das Nachfolge-Album ist bereits angekündigt: „Horizons“. Ich zitiere einmal die Presseinfo: „This is set to be an album beyond all expectations.“ Freuen wir uns darauf!
 

Hörspiegel-Skala:
BEWERTUNG
 (Nico Steckelberg, © 2008 Der Hörspiegel )