Macht(t)räume - Der Production Designer Ken Adam und die James-Bond-Filme

Macht(t)räume - Der Production Designer Ken Adam und die James-Bond-Filme Hot

Nico Steckelberg   19. August 2012  
Macht(t)räume - Der Production Designer Ken Adam und die James-Bond-Filme

Buch-Tipp

Anzahl Seiten
232
Erscheinungsjahr

Rückentext

Monumente der Macht: Die Architektur der James-Bond-Filme aus der Sean-Connery- und der Roger-Moore-Ära dürfte jedem geläufig sein. Zwischen 1962 und 1979 schuf Sir Ken Adam eine Ikonografie von Machträumen, die den Konflikt zwischen Tradition und Moderne, aber auch zwischen Gut und Böse visualisieren. Adams Entwürfe sind architektonisches Zeugnis einer Nachkriegsgeneration, die sich als Konsumgesellschaft neu konstituiert und nicht nur einen politischen, sondern auch einen ästhetischen Wandel durchlebt.

Die Bedeutung filmarchitektonischer Ästhetik und ihre Wirkung auf unsere Filmwahrnehmung stehen im Mittelpunkt des Buches. Zahlreiche, teils farbige Abbildungen stellen die Arbeit Ken Adams dabei in engen Kontext mit zeitgenössischen und ikonischen Beispielen aus Kunst und Architektur: eine kunsthistorische Entdeckungsreise, die anschaulich macht, wie Ausstattung und Design als Symbol für Macht und zur Selbstinszenierung eingesetzt werden – im Film und in der Realität.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
9,0
Atmosphäre 
 
7,0
Aufmachung 
 
7,0
Gesamtwertung 
 
7,7

2012 jährt sich James Bonds Leinwandpräsenz zum fünfzigsten Mal. Der Erfolg der Bond-Reihe begann mit der Verfilmung von EON Productions und dem Streifen „James Bond jagt Dr. No“ im Jahr 1962. Bond wurde fortan immer größer. Das galt sowohl für den Erfolg als auch für das Budget der Filme. Ein sehr großer Anteil des Budgets – insbesondere in den Anfangsjahren – floss in das Produktionsdesign. Wer an Bond in den 60ern und 70ern denkt, erscheinen zweifellos Bilder von prunkvollen Konferenzräumen mit Piranhabecken, hochtechnisierte Kommandozentralen, Aston Marins mit Schleudersitzen und viele mehr in den Sinn, was die Serie zu unverkennbar zu Bond gemacht hat.

Der Mann hinter vielen dieser „Ersteindrücke“ ist Ken Adam. Als Production Designer zeichnete er verantwortlich für den Look der Filme. Von ihm stammen beispielsweise Blofelds Vulkankrater-Raketenbasisstation in „Man lebt nur zweimal“, die heiligen Hallen von Fort Knox in „Goldfinger“ oder die Raumstation in „Moonraker“. Auch an vielen der technischen Gimmicks war Adam beteiligt, wie beispielsweise Largos wandelbarer Yacht in „Feuerball“ oder besagtem Aston Martin mit Agentenausstattung, der eigens für den Film „Goldfinger“ entwickelt wurde.

Petra Kissling-Koch beschreibt in ihrem Buch „Macht(t)räume“ Ken Adams Werk und sein Verdienst am Erfolg der Bond-Reihe. Sie vergleicht die Architektur mit den Werken anderer bedeutender Architekten und zeigt Parallelen auf. Auch die Interpretation von Adams Design-Entscheidungen sind hochinteressant. So zeigt der direkte Vergleich zwischen Adolf Hitlers und Ernst Stavro Blofelds Schreibtisch, wie nah sich Adam an der Realität orientierte und was er indirekt damit zum Ausdruck bringen wollte.

Sicherlich ist Kissling-Kochs Buch nichts für den Gelegenheitsleser. Hier dürften die Die-Hard-Bond-Fans angesprochen werden ebenso wie Leser, die sich für Architektur und Filmdesign interessieren. Ich persönlich zähle mich zur ersten Kategorie der Bond-Fans, und so habe ich die Lektüre mit großem Interesse genossen. Einige zusätzliche, größere Bilder in Farbe hätten den positiven Gesamteindruck abgerundet.

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